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Happy Birthday USA! Eine kurze Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika

Aktualisiert: vor 2 Tagen

250 Jahre USA zwischen Mythos und Realität

Am 4. Juli 2026 feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ihren 250. Geburtstag. Ein Vierteljahrtausend ist vergangen, seit die Gründerväter in Philadelphia eine Unabhängigkeitserklärung unterschrieben, die die Welt verändern sollte. Wenn wir heute auf die USA blicken, denken wir an die amerikanische Revolution, an Bürgerkrieg, Raubtierkapitalismus, Rassenkonflikte und einen kometenhaften, unaufhaltsamen Aufstieg zur Supermacht im 20. Jahrhundert.


Die Geschichte der USA ist, wie die Geschichte aller anderen Nationen, kein geradliniger Triumphzug. Sie ist ein hochkomplexes, oft widersprüchliches Mosaik aus visionärem Idealismus, pragmatischer Realpolitik, wirtschaftlichen Krisen und tiefgreifenden gesellschaftlichen Transformationen. Zum großen Jubiläum lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Welche Mythen, Ideologien, Architekten und Ereignisse machten die Vereinigten Staaten zu dem, was sie heute sind? Und wie stabil ist die altgediente amerikanische Demokratie heute noch?

 

Gründungsmythen (1607-1756)

Wo beginnt die Geschichte der Vereinigten Staaten? Der populärste Gründungsmythos ist die Ankunft der Mayflower, ein Schiff, das im Jahre 1620 die „Pilgerväter“ in die Plymouth Colony, auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaates Massachusetts brachte, radikale calvinistische Puritaner, die sich von der Church of England losgesagt hatten und die in der neuen Welt für ihren Glauben einen Gottesstaat errichten wollten.


Gemaltes Segelschiff bei Sonnenuntergang auf ruhigem Wasser, rechts ein kleines Boot mit Menschen; Signatur W.E. Halsall.
Gründungsmythos "Mayflower" 1620

Die tatsächlichen Anfänge sind jedoch 13 Jahre älter. Die erste permanente englische Besiedlung Nordamerikas erfolgte mit der Gründung von Jamestown, Virginia im Jahr 1607. Nicht religiöse Eiferer, sondern eine Londoner Aktiengesellschaft waren die Initiatoren. Nach jahrelanger Not, stets am Rande des Kollaps und dezimiert durch Indianer-Attacken, gelang es erst mit dem großflächigen Anbau von Tabak, begünstigt durch die schrittweise Einführung der Sklaverei, die Lage der prekären Kolonie zu stabilisieren.


So stehen die beiden Gründungsmythen – der strenge puritanische Norden und der feudalistische Süden für die beiden unterschiedlichen Entwicklungen und Mentalitäten, die sich in Nordamerika entwickeln sollten.


Rund 150 Jahre später, lebten in den englischen Kolonien entlang der Ostküste der heutigen USA bereits mehr als eine Million Menschen – hauptsächlich Einwanderer und deren Nachfahren von den britischen Inseln, aber auch aus Deutschland sowie über 200‘000 aus Afrika verschleppte Sklaven.

 

Wie war das mit der Teesteuer? (1756-1774)

1756-1763 tobte in Europa der Siebenjährige Krieg um die kleine Provinz Schlesien. Doch der Konflikt wütete auch in Nordamerika. Neben den Briten hatten auch Franzosen, Spanier, Niederländer und sogar die Schweden versucht, in der nördlichen Hälfte der neuen Welt Fuß zu fassen. Den Briten fielen mit dem Sieg gewaltige französische Territorien zu. Doch der Konflikt hatte auch die Siegermacht finanziell ruiniert. Londons Logik war einfach: Der Krieg wurde zur Verteidigung der Kolonisten geführt, also sollten sie sich auch an den Kosten beteiligen – zumal sie bislang im Vergleich zu den Bürgern in England nur einen Bruchteil der Steuern entrichteten. Der Umut in den Kolonien aber war groß. "No taxation without representation“ (Keine Besteuerung ohne politische Vertretung) wurde zum Schlagwort und London musste ob der Proteste die meisten Steuergesetze zurücknehmen. Aus symbolischen Gründen blieb jedoch die Steuer auf Tee bestehen. Die Situation eskalierte 1773, als England die Steuern auf den Tee nicht etwa erhöhte, sondern im Gegenteil, massiv senkte. Hintergrund waren Absatzprobleme der wirtschaftlich angeschlagenen East India Company, die auf riesigen Beständen saß und die durch die staatliche Steuersenkung saniert werden sollte. Der Protest der amerikanischen Patrioten unter Samuel Adams, der in der „Boston Tea Party“ kulminierte, war ein Protest rein aus Prinzip: obwohl der so verbilligte englische Tee nun viel günstiger war, als der von den Niederländern geschmuggelte, gab es immer noch eine Reststeuer – sie zu bezahlen bedeutete aus Sicht der Widerständler, eine Besteuerung ohne parlamentarische Repräsentation stillschweigend anzuerkennen.


Menschen am Hafen winken und schwenken Hüte zu einem Segelschiff vor Gebäuden und Wasser, historische Szene.
Die "Boston Tea Party" - Die Rebellen hatten sich als "Indianer" verkleidet. Anlass war ironischerweise ein Senkung der Teesteuer

 

Der Unabhängigkeitskrieg (1775-1783)

1775 brach der amerikanische Unabhängigkeitskrieg aus; er sollte bis 1783 dauern. Um es kurz zu machen: die dreizehn Kolonien, die sich gegen ihr Mutterland erhoben, gewannen den Konflikt. Der Sieg geht auf eine komplexe Gemengelage zurück. Die Rebellen, die etwa 40% bis 45% der Bevölkerung repräsentierten (etwa 15% bis 20% verhielten sich loyal zur Krone, der Rest blieb neutral, unter anderem die Quäker in Pennsylvanien, die aus religiösen Gründen pazifistisch eingestellt waren) wurden durch den Oberkommandierenden ihrer Kontinentalarmee, George Washington, hervorragend geführt, erhielten jedoch auch finanzielle und militärische Unterstützung durch drei europäische Gegner der Briten: Spanien, die Niederlande und, allen voran, Frankreich.


Historische Versammlung von Männern in einem Saal; sie beraten und unterzeichnen Dokumente vor Fahnen.
Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776

Nicht weniger wichtig waren die logistischen Probleme der Briten: sie mussten über eine Entfernung von 5.000 Kilometern den Nachschub ihrer Truppen– zu einem guten Teil bestanden diese aus Söldnern, die vor allem aus Hessen angeheuert wurden – sicherstellen und sich dabei ab 1778 auch der Angriffe der französischen Flotte erwehren. Und schließlich war dieser Krieg in weiten Teilen asymmetrisch. Die Rebellen konnten sich, wenn New York, Philadelphia oder Charleston durch die Briten eingenommen wurde, in das Hinterland zurückziehen und dort einen Partisanenkrieg führen – einem riesigem Raum, den London mit seinen limitierten Truppen nicht dauerhaft besetzen konnte.


Washington und Soldaten überqueren den vereisten Delaware im Boot mit US-Flagge, dramatische historische Szene.
Washington überquert den Delaware-Fluss 1776

 

„We the People“ - Eine einzigartige Verfassung (1787)

Die Delegierten, die 1787 in Philadelphia zusammenkamen, um ein Fundament für den neuen unabhängigen Staat zu schaffen, hatten lediglich den Auftrag, den alten Konföderationsartikel der dreizehn Gliedstaaten zu reformieren. Stattdessen entwarfen sie insgeheim eine Verfassung, ein bis dahin völlig einzigartiges Staatsmodell – sie ist die bis heute älteste ununterbrochen gültige geschriebene Konstitution der Welt. Die berühmten ersten drei Worte „We the People“ stellten die politische Weltordnung auf den Kopf. Die treibenden Köpfe hinter dem Papier waren die sogenannten „Föderalisten“: der strategische Denker James Madison, der eigentliche Vater der Verfassung, und der junge Finanzexperte Alexander Hamilton. Ihre Befürchtung war, dass die junge Republik ohne eine starke Zentralregierung im Chaos versinken würde. Die Verfassungsväter schufen ein System der Checks and Balances, eine Gewaltenverschränkung von mathematischer Präzision, bei der jede Macht durch eine Gegenmacht kontrolliert werden sollte. Das Ergebnis war eine radikale Umkehrung des Souveränitätsprinzips. Während in Europa Könige „von Gottes Gnaden“ herrschten, legte diese Verfassung die Macht bedingungslos in die Hände der Staatsbürger.


Um einen Kompromiss zwischen dem feudalistischen Süden und dem frühkapitalistischen Norden herbeizuführen, wurde eine so genannte „Drei-Fünftel-Klausel“ eingeführt. Ein Sklave zählte bei der Berechnung der Stimmenanzahl im Kongress als drei Fünftel eines freien Bürgers. Durch dieses Konstrukt erhielten die Südstaaten ein Drittel mehr Abgeordnete und Wahlmänner für die Präsidentenwahl, als wenn die versklavten Menschen nicht gezählt worden wären. Ein Repräsentationsvorteil, den der Süden allerdings durch eine höhere Steuerlast kompensieren musste.

      

Expansion und ein unterschätzter Präsident (1788-1849)

Nach dem Verfassungsexperiment von 1787 stand die junge Republik vor der Aufgabe, die Konstitution zum Leben zu erwecken. Dass dies gelang, lag maßgeblich an den ersten drei Präsidenten, die das Land durch das unsichere Fahrwasser steuerten. George Washington (1789–1797) lieferte das dringend benötigte Gravitationszentrum; er institutionalisierte das Amt und verzichtete nach zwei Amtszeiten freiwillig auf die Macht – ein im 18. Jahrhundert beispielloser Akt. Sein Nachfolger, John Adams (1797–1801), ein Cousin des Revoluzzers Samuel Adams, sicherte die Rechtsstaatlichkeit in Zeiten extremer parteipolitischer Polarisierung. Mit Thomas Jefferson (1801–1809) übernahm schließlich einer der Architekten der Unabhängigkeitserklärung das Ruder.


Unter Jefferson vollzog sich 1803 ein geopolitischer Paukenschlag: der Louisiana Purchase. Für den Spottpreis von 15 Millionen Dollar bot Frankreich überraschend fast alle seine verbliebenen Territorien in Nordamerika, über 2,1 Millionen Quadratkilometer, zum Verkauf an – ursprünglich hatten die Amerikaner nur den Kauf der Stadt New Orleans angestrebt. Doch der Erste Konsul Napoleon Bonaparte war finanziell unter Druck und hatte beschlossen, seine Ambitionen auf den europäischen Kontinent zu konzentrieren. Über Nacht verdoppelte sich das Staatsgebiet der USA und legte damit die geographische Basis für die Transformation zu einer Kontinentalmacht.


1812 erklärten die USA der Weltmacht Großbritannien den Krieg. Anlass waren verschiedene Übergriffe der Briten auf die amerikanische Handelsflotte und die Zwangsrekrutierung ihrer Staatsbürger in die britische Kriegsmarine während der Napoleonischen Kriege. Der Konflikt verlief für die Vereinigten Staaten militärisch desaströs und gipfelte im Niederbrennen des Weißen Hauses in Washington 1814 durch britische Truppen. Einen völligen Sieg konnte London dennoch nicht erreichen, so kam es noch im gleichen Jahr zum Frieden von Gent, der den status quo ante bellum wieder herstellte.


Der Weltmacht erneut die Stirn geboten zu haben beförderte ein amerikanisches Selbstbewusstsein, das sich 1823 in der Monroe-Doktrin manifestierte: Präsident James Monroe (1817-1825) erklärte den gesamten amerikanischen Kontinent zur Tabuzone für europäische Kolonialmächte. Das damit ausgerufene Schutzschild für die jungen Demokratien Lateinamerikas wurde aber mit dem Anspruch der USA verbunden, eine exklusive geopolitische Vormachtstellung auf dem amerikanischen Doppelkontinent einzunehmen.


Der neue imperiale Drang wurde zunächst aber nur vor der eigenen Haustür vollzogen. Der bis heute wenig bekannte 11. Präsident James K. Polk (1845–1849) war der effiziente Organisator dieses neuen geostrategischen Ziels. Er trat mit der erklärten Ambition an, in nur einer Amtszeit, die geopolitischen Interessen der Staaten zu sichern. 1846 erzielte er mit Großbritannien den Oregon-Kompromiss und sicherte damit den USA ein Territorium, das -neben dem heutigen gleichnamigen Bundesstaat - auch Washington, Idaho und Teile von Montana und Wyoming umfasste.


Das war der friedliche Teil des Zugangs zum Pazifik. Mit dem südlichen Nachbarn Mexiko kam es noch im gleichen Jahr zum Krieg, nachdem Mexiko das Angebot, Kalifornien und New Mexiko für 30 Millionen Dollar zu verkaufen, abgelehnt hatte. Im Frieden von Guadelupe Hidalgo musste Mexiko 1848 ein Gebiet von fast 1,4 Mio km2 abtreten, die heutigen Staaten Kalifornien, Arizona, Nevada und Utah, sowie Teile des heutigen New Mexico, Colorado und Wyoming. In Polks kurzer Amtszeit hatten die USA ihr Staatsgebiet um ein Drittel vergrößert. Das Territorium reichte nun vom Atlantik bis zum Pazifik – from sea to shining sea.

 

Die Besiedlung des Westens (1850-1860)

Das folgende Jahrzehnt war von einer beispiellosen Dynamik geprägt. 1848 hatte man in Kalifornien, in der Nähe der Kleinstadt San Francisco, Gold gefunden. In den folgenden Jahren zogen hunderttausende Menschen nach dem neuen Bundesstaat, um dort ihr Glück und raschen Reichtum zu suchen. Der Lockruf des Goldes beschleunigte die Besiedlung des Westens massiv.  Alimentiert wurde diese Erschließung nicht zuletzt durch einen Zustrom von irischen und deutschen Einwanderern, die vor der Hungersnot in Irland und vor politischer Verfolgung nach der gescheiterten Revolution von 1848 in Deutschland in die Neue Welt geflohen waren.


Pionierkarawane mit Maultieren und Planwagen in felsiger Berglandschaft; Männer tragen Werkzeuge und wirken erschöpft.
Goldrausch in Kalifornien 1849

Für die indigene Bevölkerung war diese Expansion nach Westen eine Tragödie: Die fortschreitende Vertreibung der Prärie-Indianer aus ihren Jagdgebieten und die systematische Dezimierung der Büffelherden raubten ihnen die Lebensgrundlage.


Sehr bald kam es in den neuen Territorien des mittleren Westens zu einem weiteren Konflikt: Gemäß des Kansas-Nebraska-Act von 1854 durften männliche weiße Siedler selbst entscheiden, ob in ihrem Territorium die Sklaverei erlaubt sein sollte oder nicht. In Kansas kam es darüber zu einem blutigen Kleinkrieg, dem Bleeding Kansas. Im Parteiensystem entwickelte sich deswegen eine massive Verschiebung:  1854 wurde die gegen die Sklaverei ausgerichtete Republikanische Partei gegründet. Ihr Kandidat Abraham Lincoln wurde 1860 zum ersten republikanischen Präsidenten gewählt. Die Südstaaten sahen dies als Kriegserklärung gegen ihre Lebensweise an – die lange schwelende Lunte am Pulverfass des Nord-Süd-Konflikts war abgebrannt.


Goldene Abendstimmung: Planwagen, Reiter und Rinder ziehen durch weites Tal zwischen Bäumen und Felsen.
"The Oregon Trail" Gemälde von Albert Bierstadt 1869

Farbige US-Karte mit Staatsbeitrittsjahren: Osten rot, Westen blau/grau; Alaska und Hawaii unten links.
Die Geschichte der territorialen Erweiterung der USA

 

Bürgerkrieg (1860-1865)

Über die Tragödie des Amerikanischen Bürgerkriegs, ist viel geschrieben worden. Unter anderem auch von den aufmerksamen Beobachtern Karl Marx und Friedrich Engels. Die beiden sahen in dem Konflikt eine Bestätigung ihrer Theorie, eines zwangsläufigen geschichtlichen Verlaufs, infolgedessen der Kapitalismus die feudalistische Lebensweise verdrängen muss.


Im Dezember 1860 erklärte der Bundesstaat South Carolina seinen Austritt aus der Union. Bis Juni 1861 folgten zehn weitere Südstaaten. In dem nun entbrannten Konflikt standen die industriell bereits entwickelten Nordstaaten den feudalistisch-landwirtschaftlich geprägten Südstaaten gegenüber, deren Wohlstand zu einem wesentlichen Teil auf billiger Sklaverei beruhte. Um es erneut kurz zu machen: Obwohl die Südstaaten aufgrund begabter militärischer Führer wie General Robert E. Lee anfänglich bedeutende Erfolge erzielten, mussten sie sich auf Dauer dem materiell, industriell und bevölkerungsmäßig deutlich überlegenen Norden geschlagen geben. Der Sezessionskrieg gilt als einer der ersten modernen Kriege, eine Materialschlacht, in der neben Menschenmassen auch frühe Vorläufer von Maschinengewehren, Stacheldraht, Panzerschiffe, U-Boote und Eisenbahnen wichtige Rollen spielten.


Union- und Konföderiertengeneräle schütteln sich in einem Raum die Hand; ernste Stimmung, blaue und graue Uniformen.
Die Konföderierte Armee ergibt sich 1865

Viele Historiker sehen im Amerikanischen Bürgerkrieg die wahre Geburtsstunde der Vereinigten Staaten von Amerika, einen Geburtshelfer der künftigen Weltmacht: Die Union wird erhalten. Aus dem Staatenbund wird eine Nation. Die Sklaverei wird abgeschafft, was den rückständigen Süden zwingt sich neu zu orientieren und zu modernisieren.

 

Das „Gilded Age“: Die Ära der Tycoons (1865–1917)

Nach dem Bürgerkrieg entwickelten sich die USA in atemberaubendem Tempo zur führenden Industriemacht der Welt. Der große Ironiker Mark Twain prägte für diese Epoche den Begriff „Gilded Age“ (Vergoldetes Zeitalter) – eine Anspielung darauf, dass der Glanz an der Oberfläche oftmals nur die darunter liegende Korruption, soziale Ungleichheit und politische Fäulnis kaschierte. Es war die Ära der Oligarchen, der „Robber Barons“ und der Tycoons. Männer wie John D. Rockefeller (Öl), Andrew Carnegie (Stahl) und J.P. Morgan (Finanzen), Namen, die auch heute noch klingen, errichteten gigantische Monopole und Trusts, die den Staat regelrecht vor sich hertrieben. Geld und Politik waren nicht mehr zu trennen; Senatoren wurden oft direkt von den Tycoons gekauft.


Diesem rücksichtslosen Aufstieg der Industriemagnaten setzte der Schriftsteller Jack London in seinem Roman „Lockruf des Goldes“ („Burning Daylight“) 1910 ein bleibendes Denkmal. Anhand des Protagonisten, der im Goldrausch reich wird und im Strudel der New Yorker Finanzwelt seine Menschlichkeit verliert, sezierte London die herrschende Mentalität: Unterordnung unter das Diktat des Profits, das Überleben des Stärkeren als vermeintliches Naturgesetz.


Politische Karikatur: Uncle Sam wird von Männern mit Zylindern Monopolies und Trusts am Arm geführt, U.S.-Sack, satirisch.
Die Macht der Monopole - Karikatur 1897

Getragen wurde der industrielle Boom von einer immensen neuen Einwanderungswelle. Millionen von Menschen, nun verstärkt auch aus Süd- und Osteuropa, strömten in das Land, das ihnen eine bessere Zukunft verhieß. Nicht anders als in Europa schufteten sie unter katastrophalen Bedingungen in den Fabriken und Minen des Nordens. Es kam zu blutigen Arbeitskämpfen, wie dem Homestead-Streik von 1892 bei der Carnegie Steel Company, die vom Staatsapparat im Sinne der Tycoons brutal niedergeschlagen wurden.

Nach und nach formierte sich jedoch Widerstand. Die Zeit zwischen 1890 und 1917 ist als „Progressive Era “ in die Geschichtsbücher eingegangen. Kritische Journalisten, politische Reformer und die Frauenbewegung, getragen von der gesellschaftlichen Mittelschicht, forderten ein Ende von Korruption und zahlreichen sozialen Missständen wie Kinderarbeit und Arbeitgeberwillkür. Präsident Theodore Roosevelt (1901-1909) erkannte die Zeichen der Zeit, inszenierte sich als Trustbuster und zerschlug die mächtigsten Monopole per Gesetz, während gleichzeitig erste Arbeitsschutzgesetze erlassen wurden.


Frauenfigur in Gelb mit Fackel über USA-Karte; Menschenmenge in schwarzem Osten, Titel THE AWAKENING oben.
Allegorie der "Progressive Area"

Parallel dazu vollzog sich eine fundamental neue außenpolitische Weichenstellung. Der Kontinent war erschlossen, der Blick richtete sich nun nach außen. Mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 und der Annexion von Hawaii und den Philippinen streiften die USA den alten Isolationismus ab und zeigten – gleich den europäischen Kolonialmächten – imperiale Bestrebungen. Als das Land 1917 nach dreijähriger Neutralität unter Woodrow Wilson (1913-1921) auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg eintrat, waren sie schon längst kein regionaler Akteur mehr: Die wirtschaftlich stärkste Großmacht des Planeten hatte nun das Vermögen, die Weltordnung nach eigenen Vorstellungen umzugestalten.

 

Weltmacht wider Willen (1917–1945)

Der Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im April 1917 war die Reaktion auf Deutschlands Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs Anfang 1917 (ein deutsches U-Boot hatte bereits 1915 den britischen Passagierdampfer Lusitania versenkt, wobei 128 US-Staatsbürger ums Leben kamen) sowie auf das abgefangene Zimmermann-Telegramm, in dem Berlin Mexiko ein Militärbündnis gegen die USA anbot. Zu diesem Zeitpunkt stand das Deutsche Kaiserreich nach dem Kollaps Russlands im Osten kurz vor dem Sieg an der Westfront. Doch in einer beispiellosen Kraftanstrengung landeten die Amerikaner bis zum Kriegsende 1918 rund zwei Millionen Soldaten in Frankreich. Der Krieg war damit entschieden.


Präsident Wilson versuchte im Geist eines liberalen Internationalismus, eine neue, visionäre Friedensordnung zu stiften. Seine 14 Punkte von 1918 sahen das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Gründung des Völkerbundes vor. Bei den Friedensverhandlungen von Versailles versuchten die USA vehement, Frankreich von seiner revanchistischen Politik gegenüber Deutschland abzubringen, um ein stabiles globales Wirtschaftssystem zu sichern – ein weitsichtiger Versuch, der jedoch an europäischen Egoismen scheiterte. Die US-Politik zog sich danach enttäuscht erneut in den Isolationismus zurück und verweigerte ironischerweise den Beitritt zum selbst vorgeschlagenen Völkerbund. Ab 1924 stützten die USA die Weimarer Republik mithilfe des Dawes-Plans, der vorsah, die Reparationszahlungen an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands zu koppeln und dessen wirtschaftliche Erholung über Kredite systematisch finanziell abzusichern.


Mann mit grünem Helm sitzt auf Stahlträger über nächtlicher Skyline von New York; das Empire State Building leuchtet.
Manhattan in den 1920er Jahren

Unter Präsident Calvin Coolidge (1923-1929) erlebte das Land einen beispiellosen Modernisierungsschub: Die boomende Wirtschaft der Roaring Twenties befeuert durch Henry Fords Fließbandrevolution und billige Kredite erlaubte einen nie dagewesenen Massenkonsum – Elektrizität, Automobile und Konsumgüter wurden für breite Massen erschwinglich. In den großen Metropolen entwickelte sich der Jazz, den die Nachfahren der ehemaligen afroamerikanischen Sklaven im Zuge der Great Migration in den Norden gebracht hatten, wo sie Armut und Rassismus des ländlichen Südens entfliehen wollten.


Doch die neuen Freiheiten und mit ihnen einhergehende Zügellosigkeit erzeugten auch heftigen konservativen Gegendruck. Am deutlichsten kam dieser in der staatlich verordneten Prohibition zum Ausdruck, einem von verschiedenen Lobby-Organisationen - allen voran die protestantischen Kirchen und Frauenverbände - durchgesetztes absolutes Alkoholverbot, das von 1920 bis 1933 dauerte. Die Initiative trocknete das Land jedoch nicht aus, sondern legte die Grundlage für den rasanten Aufstieg des organisierten Verbrechens, das mit Herstellung, Schmuggel und Vertrieb von Hochprozentigem das Land weiter flächendeckend versorgte.


Schwarzweißfoto: Männer kippen Alkohol aus einem Fass in einen Straßenschacht, während Polizisten zuschauen.
Öffentliche Vernichtung von Alkohol während der Prohibition

Der unregulierte Kapitalismus kollabierte am Schwarzen Donnerstag 1929. Die darauffolgende Weltwirtschaftskrise stürzte das Land in eine beispiellose langjährige Depression. An ihrem Höhepunkt 1933 war die Industrieproduktion um fast 50% und der Außenhandel um rund 70% eingebrochen und die Arbeitslosigkeit auf 25% gestiegen. Präsident Herbert Hoovers (1929-1933) Wirtschaftspolitik – die Erhebung von Importsteuern und eine strikte Reduzierung der Staatsausgaben – hatte weiteres Öl in das Feuer geschüttet. Erst Franklin D. Roosevelt (1933-1945) leitete 1933 mit dem New Deal, eine von der Keynesianischen Theorie inspirierte fundamentale Transformation ein: Der Staat griff regulierend und investierend in die Wirtschaft ein und schuf elementare soziale Sicherungsnetze.


Als 1939 in Europa der Zweite Weltkrieg ausbrach, hielten sich die USA zunächst strikt an ihre gesetzlich verordnete Neutralität. Die traumatische Erfahrung des Ersten Weltkriegs und eine tief verwurzelte isolationistische Strömung im Kongress blockierten jeden aktiven Kriegseintritt; die amerikanische Öffentlichkeit weigerte sich, erneut Blut für europäische Konflikte zu vergießen. Erst der Schock des französischen Kollapses im Sommer 1940 führte zu einem Umdenken. Um den Vormarsch des Nationalsozialismus in Europa zu verhindern, machten sich die USA über das Leih- und Pachtgesetz (Lend-Lease) zum „Arsenal der Demokratie“. Diese Unterstützung folgte einem geopolitischem Kalkül und schloss nach dem deutschen Überfall im Juni 1941 ausdrücklich auch die stalinistische Sowjetunion ein. Washington stabilisierte die Rote Armee mit gigantischen Lieferungen – darunter über 400.000 Lastwagen, Schienenfahrzeuge, Treibstoff und Millionen Tonnen Lebensmittel. Ohne diese logistische Unterstützung hätte die Rote Armee ihren Abwehrkampf kaum erfolgreich führen können.


Ende 1941 eskalierte die Situation auch im Pazifik. Um die imperialistischen Bestrebungen Japans einzuhegen, hatten die Vereinigten Staaten ein Ölembargo gegen das Inselreich verhängt. Der japanische Kronrat beschloss daraufhin nicht, wie ursprünglich geplant, die im Westen bedrängte Sowjetunion anzugreifen, sondern die USA. Was nun folgte, ist bekannt: die USA traten in den Zweiten Weltkrieg ein und besiegelten mit einem für ihr Land beispiellosen Geld-, Material und Menscheneinsatz auch den Ausgang dieser Menschheitstragödie. Das Manhattan Projekt, dessen Ergebnis in der letzten Kriegsphase gegen Japan zum Einsatz kam, machten die Vereinigten Staaten zur ersten Atommacht und damit zur ersten Supermacht der Menschheitsgeschichte. Der Isolationismus, der so vielen Amerikanern am Herzen lag, war endgültig Geschichte.

 

Supermacht und Weltpolizist (1946-2017)

Die USA begannen als eine Nation, die sich aus den Konflikten der „Alten Welt“ heraushalten wollte. George Washington hatte in seiner Abschiedsrede eindringlich vor dauerhaften Allianzen mit dem Ausland gewarnt. Diese isolationistische Haltung blieb für lange Zeit der Grundtenor der US-Außenpolitik. Der Wandel vollzog sich schrittweise. Er führte 1823 über die Monroe-Doktrin und den Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898, der die kolonialen Interessen des Landes auf den Pazifik erweiterte, zu den beiden Weltkriegen, in denen die USA jeweils zum „Game Changer“ wurden. Nach 1945 befürchteten die US-Eliten, dass ein Rückzug von der Weltbühne ein Machtvakuum hinterlassen würde, das die Sowjetunion – in jeglicher Hinsicht der ideologische Gegenentwurf zu den Vereinigten Staaten – füllen könnte. Aus der ehemaligen Kolonie war die Führungsmacht der westlichen Welt geworden.


Angesichts des Konflikts mit der UdSSR verkündete Präsident Harry S. Truman (1945-1953) die Truman-Doktrin: Die USA versprachen nun jedem Land Unterstützung, das vom Kommunismus bedroht wurde – die Geburtsstunde des Kalten Krieges. Um diese Eindämmungspolitik zu untermauern, trieben die USA maßgeblich die Gründung der NATO voran, die 1949 erfolgte.


Der Vietnamkrieg entwickelte sich zu einem geopolitischen und humanitären Desaster, das das Vertrauen in die eigene Überlegenheit erschütterte. Auch innenpolitisch geriet das Land in den 1960er Jahren in eine Zerreißprobe. Die Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr. hielt der Supermacht den Spiegel vor: Während Washington weltweit die Freiheit verteidigen wollte, verweigerte das eigene System Millionen afroamerikanischen Staatsbürgern elementare Grundrechte. Doch die massiven Proteste erreichten ihr Ziel: die gesetzlich verankerte Rassentrennung, die in den Südstaaten seit Ende des Bürgerkriegs bestand, wurde aufgehoben.


Schwarzweißfoto von Martin Luther King Jr. im Anzug, mit erhobener Hand vor Vorhängen; ernster, entschlossener Blick.
Martin Luther King - die Ikone der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre

In den 1980er Jahren wuchs unter Präsident Ronald Reagan (1981-1989) das amerikanische Selbstbewusstsein wieder: Reagan liberalisierte die Wirtschaft und drastische Erhöhungen der Militärausgaben zwangen die wirtschaftlich angezählte Sowjetunion in ein Wettrüsten, das sie am Ende nicht mehr finanzieren konnte. Die Implosion des Ostblocks zwischen 1989 und 1991 markierte das Ende des Kalten Krieges. Die USA blieben als einzige verbliebene Supermacht zurück und stiegen dadurch zur Hypermacht auf.


Die unipolare neue Weltordnung hielt jedoch nicht lange an. Die Terroranschläge von 2001 und die darauffolgenden Kriege im Mittleren Osten banden über Jahre immense Ressourcen. Präsident Barack Obama (2009–2017) vollzog schließlich eine fundamentale strategische Zäsur: Die neue Doktrin war der Pivot to Asia. Für Washington lag die Herausforderung des 21. Jahrhunderts nun im Pazifischen Raum – eine Reaktion auf den rasanten Aufstieg des neuen Weltmacht-Konkurrenten China.


Innenpolitisch wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends eine zunehmende Spaltung der amerikanischen Gesellschaft deutlich, deren Ursachen bis in die frühen 1970er Jahre zurückreichen. Hatten bis dahin Republikaner und Demokraten innerhalb ihrer jeweiligen Parteien Anhängern einer großen Bandbreite von Meinungen und Anschauungen eine Heimat geboten, kam es nun nach und nach zu einer Polarisierung bei der sich tendenziell die weiße, ländliche Mittelschicht sowie die weißen Arbeiter in den teils verarmten ehemaligen Industriezentren, deren Jobs nach Mexiko und China gewandert waren, um eine immer konservativere Republikanische Partei scharten, während das urbane, liberale Milieu in den Metropolen an der Ost- und Westküste sowie zahlreiche Einwanderer aus Lateinamerika und Asien rund um die Demokratische Partei einen deutlichen Linksruck vollzog. Dieses einfache duale Muster der schwindenden weißen Mehrheit brach sich jedoch an den ethnischen Minderheiten: Während die Demokraten zwar bei Einwanderern aus Lateinamerika und Asien sowie bei afroamerikanischen Wählern die Mehrheit hielten, zeigten sich diese Gruppen intern tief gespalten. Insbesondere die religiös und wirtschaftlich konservative Arbeiterklasse unter den Latinos und asiatischen Amerikanern wandte sich im neuen Jahrtausend zunehmend den Republikanern zu. Aus politischen Wettbewerbern waren im Laufe der Jahre ideologische Gravitationszentren geworden.

 

Die USA heute – ein Ergebnis ihrer Geschichte?

Die strategische Neuausrichtung der Vereinigten Staaten liegt mehr als zehn Jahre zurück; ihr gesellschaftlicher Polarisierungsprozess hat noch ältere Ursachen. Das „Alte Europa“ hat das nur mit einiger Verzögerung begriffen – manche reiben sich immer noch verwundert die Augen, ob der massiven Veränderungen, die sich in den letzten Jahren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vollzogen haben.


Blickt man im Jubiläumsjahr 2026 auf die heutige USA, so erscheint das Phänomen Donald Trump nur auf den ersten Blick wie ein beispielloser Bruch mit sämtlichen Traditionen. Im Licht der Geschichte der USA relativiert sich dieser Eindruck. Die Strömungen, die den jetzigen Präsidenten an die Macht spülten – ein manifester Rechtspopulismus, Misstrauen gegen intellektuelle Eliten, eine diffuse Angst vor einem kulturellen Verfall und der Isolationismus –, sind so alt wie die Republik selbst. Das Wechselspiel zwischen progressiver Erneuerung und reaktionärem Rückzug charakterisiert seit 250 Jahren die Geschichte der Nation. Trump hat diese uramerikanischen Reflexe nicht erfunden, sondern lediglich virtuos instrumentalisiert.


Dennoch ist die heutige Situation in einiger Hinsicht einzigartig: Die gezielten Angriffe auf demokratische Institutionen, das Ignorieren geltenden Rechts, die Erosion ungeschriebener Verfassungsnormen und die profunde gesellschaftliche Spaltung besitzen eine neue, destruktive Qualität und markieren einen relativen Tiefpunkt in der amerikanischen Geschichte. Sie fordern das von den Gründervätern installierte System der Checks and Balances in einer Weise heraus, wie es das Land seit dem Bürgerkrieg nicht mehr erlebt hat.

Ich persönlich bin dennoch optimistisch: Das US-amerikanische Verfassungsexperiment hat sich in allen bisherigen historischen Krisen als bemerkenswert resilient und elastisch erwiesen. Ob Sezessionskrieg, Große Depression oder die Unruhen der 1960er Jahre – die klug durchdachte Gewaltenteilung und ihre Institutionen, aber auch die Zivilgesellschaft der USA haben sich in Krisen seit einem Vierteljahrtausend letztlich immer als stärker erwiesen, als ihre zeitgenössischen Kritiker prognostizierten.

 

 

Wer mehr wissen möchte:


Depkat, Volker: Die Amerikanische Revolution. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2016.


Middlekauff, Robert: The Glorious Cause: The American Revolution, 1763–1789. Oxford University Press, 2005.


Mackesy, Piers: The War for America, 1775–1783. University of Nebraska Press, 1993.


Wills, Gary: "Negro President": Jefferson and the Slave Power. Houghton Mifflin, Boston 2003. 


Bierling, Stephan: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. C.H. Beck, 2007.


Goodrich, Thomas: War to the Knife: Bleeding Kansas, 1854–1861. University of Nebraska, Lincoln 2004. 


Marx, Karl; Engels, Friedrich: Der nordamerikanische Bürgerkrieg. zeno.org 1861.


Sautter, Udo: Lexikon der amerikanischen Geschichte. C.H.Beck, 1997,

 

Cohen, Steven R: Steelworkers rethink the Homestead Strike of 1892. In: Pennsylvania History: A Journal of Mid-Atlantic Studies. Vol. 48, No. 2, April 1981, S. 155.


Judis, John B.; Teixeira, Ruy: Where Have All the Democrats Gone? The Soul of the Party in the Age of a New American Electorate. Henry Holt & Co, 2023


Levendusky, Matthew: The Partisan Sort: How Liberals Became Democrats and Conservatives Became Republicans. University of Chicago Press, 2009.

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