Geschichte der Menschheit: "Eine Welt" 1945 bis heute
- Jens Bott

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Aktualisiert: vor 1 Stunde
Aufbruch nach der Katastrophe
Am 26. Juni 1945 unterzeichnen 50 Staaten in San Franzisco die Charta der Vereinten Nationen. Der Nachfolger des gescheiterten Völkerbunds soll nun dauerhaft Weltfrieden und Freundschaft unter den Nationen sicherstellen. Nachdem die Industrieländer untereinander zwei globale Kriege ausgefochten haben, ist Europa verwüstet und die Welt im Umbruch. Das Zweckbündnis der westlichen Alliierten mit der Sowjetunion überlebt das Kriegsende um keinen einzigen Tag. Nachdem Faschismus und Nationalsozialismus aus dem Rennen der Ideologien ausgeschieden sind, verläuft die Konfrontationslinie nun zwischen Liberalismus und Kommunismus. Das durch zwei Weltkriege ruinierte Großbritannien muss die westliche Führungsrolle endgültig an die USA abgeben. Die demokratische Welt sieht sich nun einem durch die UdSSR kontrollierten Block osteuropäischer Staaten gegenüber; die Trennungslinie verläuft mitten durch Deutschland.

1947 erringt Indien unter seinen Führern Mahatma Gandhi (1869-1948) und Jawaharlal Nehru (1889-1964), nach jahrzehntelangem gewaltfreiem Widerstand gegen die Kolonialherren, die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die dabei aufbrechenden religiösen Konflikte führen zu einer Abspaltung der mehrheitlich muslimischen Landesteile, aus denen der neue Staat Pakistan entsteht. Die Folgen sind auf beiden Seiten massenhafte Vertreibungen religiöser Minderheiten, die hunderttausende Opfer fordern. Beide Länder werden Demokratien – im Falle Pakistans wird sie sich allerdings als relativ labil erweisen.
1949
Das Jahr 1949 ist ausgesprochen ereignisreich: im Mai wird auf dem Gebiet der westlichen Besatzungszonen die Bundesrepublik Deutschland gegründet; im August beginnt eine fast einjährige Blockade Berlins durch die Sowjetunion; noch im gleichen Monat tritt der Nordatlantikvertrag in Kraft, mit dem die westlichen Siegermächte der östlichen Aggression begegnen wollen; wenige Tage später explodiert die erste sowjetische Atombombe; im Oktober entsteht aus der östlichen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik; in China unterliegt die Kuomintang-Partei unter Tschiang Kai-scheck nach 22-jährigem, fast ununterbrochenem Bürgerkrieg, der Kommunistischen Partei unter Mao Zedong (1893-1976). Am 1. Oktober wird eine Volksrepublik ausgerufen; die Kuomintang-Anhänger fliehen auf die Insel Taiwan.

Beginn der Eiszeit
Sechs Jahre später wird die Bundesrepublik Deutschland in die westliche Militärallianz aufgenommen; die UdSSR reagiert mit der Gründung des Warschauer Pakts. Damit wird Tocquevilles Prophezeiung einer bipolaren Weltordnung Wirklichkeit, für den die Vereinigten Staaten und Russland „durch den Willen Gottes auserwählt schienen, [jeweils] die Geschicke der halben Welt zu lenken“.[i] Die neue Weltordnung basiert auf einem „Gleichgewicht des Schreckens“. Aus Angst vor dem jeweiligen ideologischen Gegner beginnen beide Seiten einen in der Geschichte beispiellosen Rüstungswettlauf.
Das Afrikanische Jahr
Fast alle afrikanischen und viele asiatische Länder sind zu diesem Zeitpunkt noch immer europäische Kolonien. Doch nun beginnen sie den Vorbildern Indien und China nachzueifern. Die langen, blutigen Kriege die Frankreich zwischen 1946 und 1962 in Indochina und Nordafrika führt, können die Unabhängigkeit Vietnams, Kambodschas und Algeriens nicht verhindern. In den meisten Fällen verläuft der Übergang jedoch friedlich, wie 1960, dem „Afrikanischen Jahr“, in dem vierzehn französische, zwei britische, eine belgische und eine italienische Kolonie ihre Unabhängigkeit erlangen. Mit der Dekolonialisierung verlieren Großbritannien und Frankreich, die zwei Jahrhunderte lang um die Rolle des mächtigsten Landes der Erde gestritten haben, weiter an Bedeutung.
Stellvertreterkriege
Dafür umwirbt nun der Ostblock die "Dritte Welt". Eine sozialistische Gesellschaftsordnung erscheint vielen der jungen unabhängigen Staaten Afrikas und Asiens, aber auch einigen lateinamerikanischen Republiken, als bessere Alternative zu dem liberal-demokratischen Modell der wenig populären ehemaligen Kolonialherren. Mit sowjetischer und chinesischer Hilfe etablieren sich kommunistische Regimes in Nordkorea, Nordvietnam und Kuba; die Sowjetunion entwickelt zudem großen Einfluss auf zahlreiche afrikanische und arabische Länder. Das geopolitische Machtspiel um den Globalen Süden führt zu einer Reihe von Stellvertreterkriegen, die die Erste mit der Zweiten Welt in Ländern wie Korea (1950-1953), Vietnam (1964-1975) und Afghanistan (1979-1989) austrägt.

Ein folgenreiches Zerwürfnis
In den 1950er Jahren beginnt China, unterstützt von sowjetischen Beratern, nach stalinistischem Vorbild eine Schwerindustrie aufzubauen. Während der Leninismus Marx‘ Theorie nur dahingehend modifiziert, dass eine sozialistische Revolution nicht erst das Stadium des Kapitalismus hinter sich lassen muss, sondern auch direkt von einen Feudalstaat ausgehen kann, geht Mao noch weiter: Er hält einen direkten Übergang vom Feudalismus in die klassenlose Gesellschaft für möglich; das Stadium der Diktatur des Proletariats kann somit übersprungen werden. Als der neue Parteichef der KPdSU, Nikita Chruschtschow, nach Stalins Tod 1953 eine Abkehr vom bisherigen dogmatischen Kurs verkündet, kommt es Ende des Jahrzehnts zum russisch-chinesischen Zerwürfnis: Mao will nicht von den stalinistischen Glaubenssätzen abrücken. Der 1958 vom Vorsitzenden verkündete „Große Sprung nach vorn“, endet – ebenso wie 30 Jahre zuvor in der Sowjetunion – in einer Katastrophe. Binnen zweier Jahre bricht die Getreideproduktion um fast ein Drittel ein. Die überstürzte Umstellung auf eine Industriegesellschaft fordert vermutlich zwischen 15 und 55 Millionen Hungertote.

Der Kalte Krieg eskaliert
Der Wettbewerb der Systeme wird nicht nur in den Entwicklungsländern ausgetragen. Als die Sowjetunion 1957 als erstes Land der Welt einen Satelliten ins All befördert und mit Juri Gagarin nur vier Jahre später auch den ersten Menschen, löst dies in der westlichen Welt den Sputnikschock aus. Die Vorstellung einer quasi automatischen technologischen Überlegenheit des Westens hat sich als Illusion erwiesen. Der Schock führt dazu, dass die USA ihre Bildungspolitik nun verstärkt nach mathematisch-naturwissenschaftlichen Kriterien ausrichten und in den Wettlauf ins All einsteigen. Präsident Kennedy macht die Mondlandung zu einer nationalen Priorität – mit Erfolg: Am 20. Juli 1969 betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.
Während der 1960er Jahre verschärft sich der Ost-West-Konflikt zusehends: Der Bau der Berliner Mauer 1961 stoppt die massive Abwanderung von DDR-Bürgern in den Westen; der Versuch der Sowjetunion, auf Kuba Kernwaffen zu stationieren, bringt die Welt ein Jahr später an den Rand eines Atomkriegs; 1968 ersticken Truppen des Warschauer Pakts Reformversuche der tschechoslowakischen Regierung.

Anfang der 1970er Jahre kommt es zu einer kurzen Entspannungsphase, während der die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) ins Leben gerufen wird. Doch als bald darauf die Sowjetunion den massiven Ausbau ihres Atomarsenals einleitet, reagiert die NATO 1979 auf Initiative des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt mit einem Doppelbeschluss: Es werden – Tit for Tat – Verhandlungen über die Begrenzung atomarer Kurz- und Mittelstreckenraketen angeboten, kombiniert mit der Drohung, im Falle einer Ablehnung neue Atomsprengköpfe in Westeuropa zu stationieren.
Die angespannte Ost-West-Lage ist nicht der einzige Konflikt, der die Welt Ende der 1970er Jahre in Atem hält. In den angelsächsischen Ländern kommt es zu einer Renaissance des ökonomischen Liberalismus, die bald auch auf die anderen westlichen Staaten auszustrahlen beginnt. Handelsbeschränkungen werden abgebaut und der Einfluss des fürsorglichen Sozialstaats wird, begleitet von großen gesellschaftlichen Spannungen, teils massiv zurückgedrängt.
Der Aufstieg des Islamismus
Auch die islamische Welt erweist sich zunehmend als Unruheherd. Mit dem Wechsel vom Kohle- zum Erdölzeitalter in der ersten Hälfte des Jahrhunderts haben arabische Länder mit großen Ölvorkommen an geopolitischer Bedeutung gewonnen. Der seit Gründung des Staates Israel 1948 ungelöste Konflikt zwischen Juden und Palästinensern veranlasst die islamischen Förderländer nach dem verlorenen Jom-Kippur-Krieg 1973 ihre Quoten zu drosseln; die Folge ist die Ölkrise, eine schwere Rezession in den westlichen Industriestaaten. Aber auch innerhalb der arabischen Welt gibt es zahlreiche Spannungen. Sie sind einerseits durch die von den europäischen Kolonialmächten willkürlich gezogenen Staatsgrenzen bedingt, andererseits durch religiöse Konflikte zwischen den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen. In vielen Ländern entsteht in den 1970er Jahren zudem ein religiöser Fundamentalismus. 1979 vertreiben die Anhänger des konservativen Geistlichen Ajatollah Chomeini den letzten Schah von Persien. Im selben Jahr fallen sowjetische Soldaten in Afghanistan ein. Sie sollen das lokale säkulare Regime stützen und den wachsenden islamistischen Einfluss auf die südlichen, mehrheitlich muslimisch geprägten Sowjetrepubliken eindämmen. Der Erfolg bleibt aus: Zehn Jahre später muss die geschlagene Supermacht das Land wieder räumen.[ii]
Die Sowjetunion implodiert
Die Sowjetunion ist nicht nur in Afghanistan in der Defensive. In den 1980er Jahren tritt der Kalte Krieg in seine letzte Phase, in der sich die Zweite Welt als am Ende ökonomisch und technologisch unterlegen erweist. Das kostspielige Rüstungsprogramm, der teure Krieg am Hindukusch, die Defizite der Planwirtschaft, die sich auch durch die aufkommende Computertechnologie nicht in den Griff bekommen lassen, und nicht zuletzt die permanente Unterdrückung der eigenen Bevölkerung führen zum Zusammenbruch des politischen Systems. Die Streiks auf der Danziger Lenin-Werft 1980 sind die ersten sichtbaren Anzeichen einer breiten gesellschaftlichen Veränderung. Der Glaube an die Versprechen des Sozialismus schwindet; die Menschen fordern nicht nur mehr Wohlstand, sondern zunehmend auch Freiheitsrechte.

Die Reformen, die der neue Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow ab 1985 anstößt, entwickeln eine Eigendynamik, die 1989 zu einem raschen Ende der alten dualen Weltordnung führt. Friedliche Massenproteste in der DDR erzwingen die Öffnung der Berliner Mauer und lösen in den anderen Ostblockstaaten einen Dominoeffekt aus. Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime verläuft, mit Ausnahme Rumäniens, insgesamt friedlich. In der Charta von Paris legen im November 1990 alle KSZE-Staaten ein Bekenntnis zu Demokratie und Achtung der Menschenrechte ab. Ein Jahr später zerfällt die Sowjetunion in 15 neue Staaten mit dem einstigen Hegemon Russland als Rechtsnachfolger.
Das Ende der Geschichte?
Nachdem Faschismus und Nationalsozialismus in einem heißen Krieg unterlagen, hat ein kalter Krieg nun auch das Schicksal des Sozialismus besiegelt. Die Antithese, dass eine zentrale Instanz Verteilungsfragen besser regeln kann als Individualismus und freie Preisbildung, hat sich in der Praxis nicht bewährt. Über 40 Jahre lang war die Welt über die Frage entzweit, wie ökonomische Werte erzeugt und verteilt werden sollen. Nun hat sich der Liberalismus, gepaart mit einer Demokratie westlicher Prägung, im evolutionären Wettbewerb der Systeme durchgesetzt. Dies ist zumindest die Auffassung des amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama, der Anfang der 1990er Jahre die Welt mit seiner These vom „Ende der Geschichte“ provoziert. Fukuyama ist überzeugt, dass mit dem Scheitern der letzten Utopie, der von Hegel vorgezeichnete historische Weg zur Freiheit nun zu Ende sei. Die westliche kapitalistisch-liberaldemokratische Gesellschaft stellt die endgültige Form menschlichen Zusammenlebens dar. Auch wenn Rückschläge und Fehlentwicklungen wahrscheinlich sind, werden, so Fukuyamas Prognose, über kurz oder lang alle Staaten diesem Modell folgen.
Für den amerikanischen Politologen beruht die Überlegenheit des westlichen Gesellschaftsmodells auf zwei Dingen: naturwissenschaftlichem Denken und Individualismus. Das Erste zieht unweigerlich technologischen Fortschritt nach sich, das Zweite eine liberale Demokratie. Denn Individualismus fördert nicht nur Kreativität und Innovation – mit denen sich die standardisierte Welt sozialistischer Systeme eher schwertut – sondern kommt auch dem universellen Bedürfnis nach Anerkennung entgegen, der eigentlichen Antriebskraft menschlichen Strebens und damit der Geschichte. Nur demokratische Verfassungen sind in der Lage, den Schutz individueller Freiheits- und Persönlichkeitsrechte wirksam zu garantieren, so dass es über kurz oder lang überall zu einer politischen Liberalisierung kommen muss. Für Fukuyama sind die Herausforderungen der Zukunft daher nicht kommende Systemkämpfe, sondern vielmehr der Aufbau transnationaler Ordnungen – das große Ziel etwa der Europäischen Union – sowie die Beherrschung neuer Technologien.
Die Entstehung unserer multipolaren Welt
Tatsächlich aber erstarrt der weltweite Demokratisierungsschub der frühen 1990er Jahre schon bald. In Russland und den meisten anderen ehemaligen Sowjetrepubliken etablieren sich in der turbulenten Umbruchszeit Strukturen, die eine echte Liberalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft bis heute verhindern. Einmal mehr erweist sich Korruption als Hintertür zur Macht: Das Staatsvermögen der ehemaligen UdSSR wird von kommunistischen Funktionären geplündert, teils unter tatkräftiger Mithilfe des KGB. Eine kleine russische Oligarchen-Elite verschafft sich Zugriff auf die reichlich vorhandenen Schlüsselressourcen Gas und Öl.[iii] In den folgenden Jahren entsteht eine „gelenkte Demokratie“, die westlichen Maßstäben nicht gerecht wird und die in den 2010er Jahren unter Wladimir Putin in eine Autokratie übergeht und seit Beginn der 2020er Jahre erneut in eine Diktatur abgleitet. Spätestens mit dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 wird deutlich, dass Russland weiterhin nationalistisch-autoritären und revanchistischen Denkmustern verhaftet bleibt und sich als „Drittes Rom“, als europäische Führungsnation im Abwehrkampf gegen westliche Dominanz und Dekadenz wähnt. Krieg bleibt für das größte Land der Erde weiterhin ein legitimes Mittel, um politische Interessen durchzusetzen.
In China leitet Deng Xiaoping nach Maos Tod 1976 weitreichende wirtschaftliche Reformen ein, die innerhalb von zwei Jahrzehnten eine Milliarde Menschen aus bitterster Armut befreien. Wie in Russland entstehen durch die Liberalisierung des Wirtschaftssystems auch in der chinesischen Bevölkerung rasch gewaltige Vermögensunterschiede. In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts steigt China, nach jahrhundertelangem Dornröschenschlaf, mit fulminanten Wachstumsraten und seiner Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen zur Weltmacht und einzig ernsthaftem Rivalen der USA auf. Doch auch mit dem zweitgrößten BIP der Welt folgt in China dem wirtschaftlichen Wandel nicht die von Fukuyama prognostizierte gesellschaftliche Öffnung. Die vor allem von Studenten getragenen Freiheitsbestrebungen kommen im Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu keinem friedlichen Ende. Seitdem scheint sich die neue, wohlhabende chinesische Mittelschicht mit den Machtverhältnissen weitgehend arrangiert zu haben. Schlüsselindustrien und Massenmedien bleiben unter staatlicher Kontrolle.
The Clash of Civilizations
Auch die Siegermacht des Kalten Krieges spürt von einem Ende der Geschichte wenig. Wie die Sowjetunion 20 Jahre zuvor, scheitern die USA mit dem Versuch, nach den Anschlägen auf das World Trade Center vom September 2001, den radikalen Islam mit militärischen Mitteln kontrollieren zu wollen. So sehen denn auch Politologen, wie der Amerikaner Samuel Huntington, statt historischem Stillstand vielmehr einen heraufziehenden „Kampf der Kulturen“, in dessen Mittelpunkt die westliche, die chinesische und die islamische Zivilisation stehen – ein ausdrücklicher Gegenentwurf zu Fukuyamas These.
In Westeuropa, Wiege der modernen Welt, erstarken wieder die politischen Ränder; die ehemaligen Volksparteien, während des Kalten Krieges Bastionen der Stabilität, zerfallen oder zeigen starke Abnutzungserscheinungen. Die Europäische Union, vor 30 Jahren noch ein richtungsweisendes Projekt, steckt nach Euro-Schuldenkrise, dem Austritt Großbritanniens und vielfachem grundlegendem Dissens zwischen den ost- und westeuropäischen Partnern in einer Krise.

Ein neues Spiel der Kräfte
Die Erdbevölkerung hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg von 2,5 auf rund 8,2 Milliarden Menschen Ende 2025 mehr als verdreifacht. Für das Jahr 2050 werden 9,5 Milliarden, für das Jahr 2100 knapp 11 Milliarden Menschen erwartet. Dabei zehrt die Ausbreitung unserer Art schon heute an den Möglichkeiten unseres kleinen Planeten. Zudem haben sich die letzten drei Jahrzehnte in der Rückschau global als um Einiges instabiler erwiesen, als die vorangegangenen vier Dekaden des Kalten Krieges. Neben Liberalismus und Demokratie sind nach wie vor weitere Kräfte im Spiel – darunter viele, bereits von Platon und Aristoteles beschriebene alte Bekannte. In der gerade entstehenden multipolaren Welt deutet augenblicklich nichts auf ein baldiges Ende der Geschichte hin.
Wer mehr wissen will:
Huntington, Samuel (2002): „Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert“, Goldmann.
Fukuyama, Francis (1992): „Das Ende der Geschichte“, Kindler.
Shapiro, Ian (2019): „Power and Politics in Today’s World”, Vorlesung Yale University. Collins, Larry / Lapierre Dominique (1996): "Um Mitternacht die Freiheit"
Kennedy, Paul (2000): „Aufstieg und Fall der großen Mächte“, Fischer.
Bildnachweise:
Fußnoten
[i] Zitiert nach Kennedy (1996) S.161.
[ii] Seine Erfolge bei der Abwehr mächtiger ausländischer Invasoren, haben Afghanistan den Ruf als „Grab der Imperien“ eingebracht. Nach Alexander dem Großen scheiterten Briten, Sowjets und Amerikaner mit dem Versuch, das Land unter ihre Kontrolle zu bringen.
[iii] Vgl. Shapiro (2019) 2. Vorlesung.




Den historischen Rückblick habe ich mit Gewinn gelesen. Einzelne Kenntnisse wurden inverständlicher Sprache in ihre Zusammenhänge gestellt. Ich bedanke mich dafür.