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Wie geht es weiter?

Zusammenhänge

In den bisherigen Blogs habe ich versucht, einen ersten Überblick über die elf Themengebiete zu geben. Ich hoffe, ihr seid noch neugierig, wie es weitergeht.

Das Spiel beginnt jetzt wieder von vorne, das heißt nächste Woche geht es wieder um Mathematik, danach um Physik und so weiter. Mit der Zeit soll so für jedes Themengebiet eine chronologische Nacherzählung des historischen Erkenntnisfortschritts entstehen. Für die Mathematik heißt das beispielsweise von den Ursprüngen des Zählens bis zur Kurt Gödels Unvollständigkeitssätzen. Das alles ohne Jargon, also so, dass grundsätzliche jeder die Entwicklung nachvollziehen kann – man muss dazu weder Mathematik noch Physik, Philosophie, Politologie oder überhaupt etwas studiert haben.


Ein Ausschnitt der Erde bei Nacht, fotografiert aus dem Weltraum
Ein Weltbild unter vielen möglichen...

Die Reihenfolge der Themen ist nicht zufällig gewählt. Irgendwie hängt ja alles mit allem zusammen: Mathematik ist das Werkzeug mit der wir die Natur beschreiben können (oder wie Galileo Galilei es viel poetischer ausdrückte: „die Sprache, in der die Natur zu uns spricht“). Die Natur selbst betrachten wir in den Kategorien Physik, Chemie und Biologie. Die Chemie schlägt hier eine wichtige Brücke: sie ist mechanisch betrachtet nur eine spezielle Form der Physik; ihre Kohlenstoffverbindungen sind aber auch Grundlage, um die elementaren Funktionsprinzipien des Lebens zu verstehen. Biologie ist zwar eine Naturwissenschaft, aber ihre Entwicklung folgt nicht physikalisch-deterministischen Naturgesetzen, sondern einem Zufallsprinzip. (Wobei wir später noch sehen werden, dass auch in der Physik dem Zufall eine wichtige Rolle zukommt.) Die Geschichte des Universums schließlich stellt sich somit als eine Abfolge einer physikalischen, gefolgt von einer chemischen und schließlich einer biologischen Evolution dar.

Bewusstsein ist das Thema, das Natur und Geist, die wir oft als unvereinbare Gegensätze empfinden, miteinander verbindet. Die Neurowissenschaften haben in den letzten beiden Jahrzehnten beeindruckende Fortschritte erzielt, dennoch haben wir nach wie vor nicht die geringste Vorstellung davon, wie elektromagnetische Vorgänge in unserem Gehirn Bewusstseinszustände entstehen lassen. Bewusstsein ermöglicht Sprache. Die natürliche Sprache – sie ist im Vergleich zu der formalen Sprache Mathematik ein ziemlich mangelhaftes Werkzeug – ermöglicht es uns, anderen Menschen unsere Bewusstseinszustände mitzuteilen. Dies erlaubt es uns wiederum, uns mit Philosophie auseinanderzusetzen, dem strukturierten, logischen Nachdenken über die Welt. Wie fast alle Primaten, ist auch der Homo sapiens ein höchst soziales Wesen und Gruppentier. Ein wichtiger Aspekt des begründeten Reflektierens ist daher auch das Nachdenken über die Gesellschaften, in denen wir leben. Ihre Funktionsprinzipien sind ein weiterer elementarer Baustein des Weltverstehens. Eine der zentralen Fragen aller menschlichen Gesellschaften ist wiederum die Erwirtschaftung und Verteilung von Wohlstand – die beiden zentralen Themen, mit denen sich die Ökonomie befasst. Was die menschlichen Gesellschaften in den letzten 12.000 Jahren antrieb, warum sie teils völlig unterschiedliche Entwicklungen genommen haben und welche Katalysatoren diese Unterschiede befördert haben, sind die großen Themen der Geschichte der Menschheit.

 

Behauptungen und Meinungen

In den Naturwissenschaften und in der Mathematik sind Meinungen oder Bauchgefühle keinen Pfifferling wert. Stellt jemand eine Behauptung auf, so muss sie empirisch oder logisch überprüfbar sein – andernfalls muss man sie verwerfen. Bei den Geisteswissenschaften, allen Blog-Kategorien, die nach „Bewusstsein“ kommen, ist das nicht ganz so einfach. Denn es geht hier nicht nur darum zu beschreiben, wie etwas ist, sondern auch, wie etwas sein soll. Hier kommen persönliche Weltbilder und Wertmaßstäbe ins Spiel, mit der Folge, dass es zwangsläufig zu sehr gegensätzlichen moralischen Einordnungen und Bewertungen kommt. Mir geht es an dieser Stelle nicht um meine persönlichen Meinungen, sondern um die einfache Darstellung grundlegender Werkzeuge und der wichtigsten Standpunkte, die sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelt haben. Mit diesem Rüstzeug kann jeder anhand von Tatsachen überprüfen, inwieweit seine persönliche Meinungen den Fakten standhalten und welche verschiedenen moralischen Standpunkte man in den jeweiligen Zusammenhängen begründet einnehmen kann. Ich denke, dass ist eine wichtige Voraussetzung, die zahllosen Informationen, die täglich auf uns einprasseln, sinnvoll einordnen zu können.  

 

Back to school?              

Fast alle dieser elf Themen sind uns auch als Schulfächer bekannt. Und von vielen Inhalten haben wir alle schon irgendwie einmal gehört. Doch haben wir damals wirklich verstanden, um was es in diesen Fächern eigentlich geht? Und: Haben wir damals verstanden, wie das alles zusammenhängt? Bei mir persönlich war das definitiv nicht der Fall. Wir lernen von klein an die Dinge zu kategorisieren und hermetisch voneinander abzugrenzen. Deshalb haben wir „Schul-Fächer“ und arbeiten hinterher in Ab-Teilungen. In meinem Blog möchte ich kein Schulwissen verbreiten, sondern einen neuen Blick auf das Wesen dieser elf Wissensgebiete versuchen und dabei insbesondere ihre Zusammenhänge und Abhängigkeiten untereinander aufzuzeigen. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, habe ich begonnen, die entsprechenden Schlagwörter zwischen den Artikeln zu verlinken. Wie die höchst komplexe Welt um uns herum funktioniert, können wir, denke ich, ansatzweise nur verstehen, wenn wir uns mit diesen Zusammenhängen und Abhängigkeiten auseinandersetzen.

 

Ein paar persönliche Erfahrungen bisher

Einen wöchentlichen Blog über „Allgemeinwissen“ oder „Weltwissen“ zu schreiben ist ein Abenteuer. Ich war auf Social Media bisher praktisch nicht aktiv. Und auch davon, wie man eine eigene Website aufbaut und betreibt, hatte ich vor drei Monaten noch nicht die geringste Vorstellung. Seit dem Start dieses „Projekts“ habe ich diesbezüglich zwangsläufig viel gelernt und nach wie vor kommen jeden Tag neue Kenntnisse und Erkenntnisse dazu. Etwa, wie man von Google und anderen Suchmaschinen gefunden wird (ist eine Wissenschaft für sich – angeblich zieht Google dafür bis zu 180 verschiedene Kriterien heran), wie man Bilder komprimiert und in welchem Format man sie abspeichern muss, damit die Website schneller lädt, dass orangene Newsletter-Buttons häufiger geklickt werden, als andere Farben (was zu beweisen wäre), und welche bemerkenswerten Unterschiede bei der Häufigkeit von Suchwortanfragen jeweils zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich bestehen.


Ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert zeigt Adam und Eva im Paradies
Eindeutig sittenwidrig. Was hat sich der Cranach bloß dabei gedacht?

Besonders interessant war meine Erfahrung mit Instagram. Mein Account wurde nämlich sofort gesperrt, weil das Bild „Adam und Eva“ von Lucas Cranach dem Älteren aus dem Jahre 1526, das ich für den Einführungs-Artikel von „Bewusstsein“ ausgewählt habe, von einer künstlichen oder vielleicht auch nicht so künstlichen „Intelligenz“ als anstößiger Inhalt und Spam klassifiziert wurde. Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll…


Seit Oktober wurde die Webseite von rund 700 verschiedenen Besuchern über 1200-mal aufgerufen. Für mich ist das eine Motivation, weiterzumachen (ich habe mir sagen lassen, dass die meisten Blogs nach der 12. Ausgabe eingestellt werden.) Wem der Blog gefällt, darf ihn gerne teilen und weiterempfehlen. Mich würde auch Euer Feedback interessieren, öffentlich über die Kommentarfunktion unter den jeweiligen Artikeln oder privat über das Kontaktformular.


 Bis nächste Woche

Jens       

90 Ansichten2 Kommentare

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2件のコメント


Toller Blog! Die Texte gefallen mir wirklich sehr :D

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Jens Bott
Jens Bott
4月15日
返信先

Vielen Dank für das Feedback! Ich gebe mir Mühe, irgendwie den Spagat zwischen interessanter Darstellung, Trivialisierung und wissenschaftlicher Korrektheit hinzubekommen…

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